Epische Bibelserie: «House of David»

Die neue biblische Dramaserie «House of David» von Amazon Prime Video stellt das Leben des legendären Königs David in den Mittelpunkt. Die achtteilige erste Staffel erzählt von den Anfängen des Hirtenjungen David bis zum Kampf mit Goliath – ein spannendes Seherlebnis für Gläubige und Fans von Historiendramen.

Die Dramaserie spielt um 1000 v. Chr. und erzählt die Ursprungsgeschichte Davids, von seinen bescheidenen Anfängen als Hirte bis zu seinem Aufstieg zum berühmtesten König Israels. Im Mittelpunkt steht der junge David, gespielt von Michael Iskander, der vom Propheten Samuel zum Nachfolger des in Ungnade gefallenen Königs Saul gesalbt wird.

Berühmter Kampf zwischen David und Goliath

Die Handlung folgt Davids Weg durch zahlreiche Herausforderungen, von seiner Kindheit bis zum berühmten Kampf gegen den Riesen Goliath in der Schlacht gegen die Philister. Hier geht die Serie von der biblischen Erzählung in 1. Samuel 17. Während im Text die Ereignisse nur kursorisch erwähnt sind und schnell aufeinander folgen, erzählt die Serie in einem epischen Rhythmus und baut die einzelnen Ereignisse zu Episoden aus. Damit gewinnen die Figuren eine psychologische Tiefe. Ihre Motivation wird ausgeleuchtet.

Niedergang von König Saul

So wird zum Beispiel die Geschichte vom Niedergang König Sauls detailliert dargestellt. Nachdem sich GOTT von ihm abgewendet hat und der Prophet Samuel dieses Urteil mittteilt, verdüstert sich die Psyche von Saul. Er hat Alpträume und ist von seiner Hybris verblendet. Immer mehr spaltet er Persönlichkeitsanteile ab. Er wird unberechenbar und auch im Kreis seiner Familie gewalttätig. Saul ergreift ein Zustand der manischen Depression. Das ist natürlich die Sichtweise eines modernen Erzählers auf die Gestalt des Herrschers und seines Niedergangs.

David als erster Musik-Therapeut der Geschichte

Die Ironie der Geschichte will es, dass ausgerechnet David an den Hof von König Saul berufen wird, um ihm mit seiner Harfe vorzuspielen und Lieder zu singen. «Wenn nun der Geist Gottes über Saul kam, nahm David die Harfe und spielte darauf mit seiner Hand. So erquickte sich Saul, und es ward besser mit ihm, und der böse Geist wich von ihm.» (1. Samuel 16,23) David war also der erste Musik-Therapeut der jüdisch-christlichen Geschichte. Nicht nur seine Harfe, sondern auch seine begabte Stimme wirkt heilend.

Modernes Storytelling

Dem modernen Storytelling genügt diese biblische Verknüpfung des Niedergangs von Saul mit dem Aufstieg von David auf den Königsthron nicht. Der Erzählstrang wird weiter ausgebaut in eine romantische Erzählung, in der sich eine Tochter Sauls in David verliebt. Dem jungen Mann stehen aber auch grosse Hindernisse entgegen. Die Königsmutter Ahinoam gibt sich der Macht und den dunklen Künsten der Intrige hin und greift am Hof mit harter Hand durch.

«House of David» wurde von Jon Erwin kreiert und in Zusammenarbeit mit Amazon MGM Studios produziert. Die Dreharbeiten fanden 2024 in Griechenland statt. Neben Michael Iskander in der Hauptrolle sind unter anderem Ali Suliman als König Saul, Ayelet Zurer als Königin Ahinoam und Stephen Lang als Prophet Samuel zu sehen.

Künstlerische Freiheiten

Ehrlicherweise deklariert der Regisseur Jon Erwin seinen freien Umgang mit der biblischen Geschichte am Anfang jeder Episode: «Einige der in dieser Serie geschilderten Ereignisse stellen möglicherweise nicht alle historischen und biblischen Fakten oder Figuren korrekt dar. Obwohl wir uns bemüht haben, bestimmte Aspekte der Geschichte authentisch zu porträtieren, haben wir uns für die Erzählung der Geschichte kreative Freiheiten genommen.» Es handelt sich also um eine freie Nacherzählung, die auf den Prinzipien eines modernen Drehbuchs beruhen. So sind dramatische Höhepunkte durch Konflikte zwischen Figuren zugespitzt oder durch romantische Liebesgeschichten ergänzt.

Einordnung in biblische TV-Serien

«House of David» reiht sich in eine lange Tradition biblischer Fernsehproduktionen ein. Im Vergleich zu früheren Werken wie die US-Miniserie «The Bible» (2013) oder die TV-Grossproduktion «Die Bibel» (1994-1999) setzt die Serie auf eine moderne Erzählweise und hochwertige Produktion. Während die letzten beiden als TV-Serien konzipiert sind, hat die neue Amazon-Serie den Anspruch auf grosses, episches Erzählkino. Die Landschaften und Kriegsereignisse sind für die grosse Leinwand gemacht. Die Ausstattung ist detailreich. Die Szenen sind an «echten» Orten inszeniert und aufgenommen.

Ähnlich wie die erfolgreiche Serie «The Chosen» (seit 2017) versucht «House of David», die biblischen Figuren menschlich und nahbar darzustellen. Die Serie nimmt sich Zeit, die Charaktere und ihre Konflikte zu entwickeln, was sie von vielen früheren Bibelverfilmungen unterscheidet. Die psychologische Tiefe der Figuren ist ein Novum. So erscheint die historische Erzählung von David als eine aktualisierte Neuerzählung mit menschlichen Konflikten, Verhaltensweisen und Begierden.

Hochwertiges Drama über Schicksal, Führung und Glaube

Anders als reine Dokumentationen oder wortgetreue Bibelverfilmungen erlaubt sich «House of David» kreative Freiheiten in der Ausgestaltung der Geschichte. Dies ermöglicht es, Themen wie Schicksal, Führung und Glaube tiefgründiger zu erforschen.

Die hochwertigen Produktionswerte und der epische Ansatz haben der Serie Vergleiche mit Fantasy-Serien wie «Game of Thrones» und «House of Dragons» eingebracht. «House of David» versucht, die biblische Geschichte für ein breites, modernes Publikum zugänglich zu machen, ohne dabei den religiösen Kern zu vernachlässigen.

Mit ihrer Mischung aus historischer Genauigkeit und dramatischer Interpretation setzt «House of David» neue Massstäbe im Genre der biblischen Dramaserien. Sie bietet sowohl für gläubige Zuschauer:innen als auch für Fans hochwertiger Historiendramen ein spannendes Seherlebnis.1

  1. Bildquelle: Amazon Prime Video, «House of David», Regie: Jon Erwin, USA 2025.

Orationen – ein Gebetsschatz

Fremd und aus der Zeit gefallen – so erscheinen manchen die offiziellen Gebete in der Liturgie. Dabei könnten die Orationen als intensive Gebetsmomente beispielhaft sein. Lange Zeit galt Beten als reine Privatsache. Über die eigene Gebetspraxis wurde selten gesprochen. Wer am Gottesdienst teilnahm, setzte sich in die hinteren Bankreihen, denn…

Weiterlesen

Glaubensfreiheit und Glaubensgehorsam

Im Zusammenhang mit Glauben und Christentum spielen «Freiheit» und «Gehorsam» eine wichtige Rolle. Wie geht das zusammen? Und weshalb spricht das staatliche Recht von Glaubensfreiheit, während das Kirchenrecht Glaubensgehorsam fordert?   Ausgangspunkt der folgenden Überlegungen ist ein Gegensatz, der mir erst kürzlich aufgefallen ist: Das staatliche Recht spricht von «Glaubensfreiheit»,…

Weiterlesen

Pfingsten – ein unterschätztes Fest

Pfingsten ist mehr als ein Fest des Heiligen Geistes. Es hat jüdische Wurzeln und eine österliche Dimension. Die Liturgie erzählt konkrete Geschichten von Begegnungen mit Gott. Nach dem Fest ist vor dem Fest. Ab Ostermontag stehen in den Läden die Schokohasen bereits im Ausverkauf oder werden für das nächste Fest…

Weiterlesen

Schöpfung im Werden

Die Bibel ist nicht im luftleeren Raum entstanden. Die Art und Weise, wie die Menschen zu jener Zeit geglaubt und gelebt haben, ist eingeschrieben in ihre Texte. Gleiches gilt für die christlichen Glaubenssätze, wie sie im Laufe der Jahrhunderte formuliert worden sind. In 1000 Jahren passiert viel. Drehen Sie in…

Weiterlesen

Kommentare

Noch kein Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert